Sechste Fresenius-Konferenz für die Wasch- und Reinigungsmittelindustrie in Düsseldorf
Ganz oben auf der Themenliste: Initiativen für nachhaltige Produktion und Verbraucherschutz, mit der Industrie und Handel strengen EU-Vorgaben teils entsprechen und teils zuvorkommen wollen.
Die Branche zeigte sich auf dem Fresenius-Kongress verhalten optimistisch. In Deutschland lag der Gesamtmarkt der Wasch-, Pflege- und Reinigungsmittel 2009 nach Einschätzung des Industrieverbands Körperpflege und Waschmittel e.V. (IKW) bei etwa 4.03 Milliarden Euro. Die Pro-Kopf-Ausgaben an WPR-Produkten insgesamt lagen mit gut 49 Euro deutlich über dem Niveau der beiden Vorjahre. Die positive Entwicklung des Gesamtmarktes beruht vor allem auf dem fünfprozentigen Wachstum des größten Teilmarktes - den Universalwaschmitteln auf nunmehr 1.04 Milliarden Euro. Leichten Rückgängen bei den Pulver-Normalprodukten und den Konzentraten steht ein zweistelliges Wachstum bei den Flüssigwaschmitteln gegenüber.
Magdalena Kondej von Euromonitor International (London) blickte auf den Weltmarkt für Wasch und Reinigungsmittel. Auch im weltweiten Vergleich erwies sich 2009 das Wachstum für WPR-Produkte widerstandsfähig gegenüber der Rezession. Aber es gibt regionale Unterschiede. So beeinträchtigen in den USA die strauchelnde Wirtschaft und stark getrübtes Verbrauchervertrauen den Markt. China zeigt einen Boom bei Flüssigreinigern. Auch in Brasilien ist der Wasch- und Reinigungsmittelsektor von der Krise unberührt.
Nachhaltigkeit im Fokus Ein kompletten Tag lang widmete sich die Konferenz dem Thema Nachhaltigkeit. Die Gastredner nahmen nationale und internationale Umweltzeichen und Eco-Labels unter die Lupe, beschäftigten sich mit Life Cycle Assessment und Ökoeffizienz-Analyse und berichteten über Produktneuheiten in der Wäschepflege sowie über Möglichkeiten nachhaltiger Chemikalienproduktion.
Dr. Susanne Zänker, Generaldirektorin von A.I.S.E. in Brüssel, dem internationalen Verband der Hersteller von Wasch-, Pflege- und Reinigungsmitteln, sieht für das Jahr 2010 und die nahe Zukunft erhebliche Herausforderungen auf die WPR-Industrie zukommen. Zu zahlreichen Änderungen in der EU-Gesetzgebung kommt das veränderte Verbraucherverhalten und eine ansteigende Bedeutung des Faktors "Nachhaltigkeit" für Akzeptanz, Markentreue und Absatzmöglichkeiten. Freiwillige Initiativen der Industrie könnten einen bedeutenden Beitrag zur Verbraucheraufklärung leisten und somit den regulatorischen Druck in der EU zumindest kurzfristig reduzieren - auch wenn dieser nicht gänzlich vermieden werden könne. "Die Wasch-, Pflege- und Reinigungsmittelindustrie hat erkannt, dass alle Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette eine gleichermaßen wichtige Rolle spielen, um den nachhaltigen Verbrauch und Produktion zu verbessern - die Hersteller, indem sie sowohl innovative und nachhaltige Produkte anbieten als auch Informationen zu deren nachhaltigem und sicherem Gebrauch zur Verfügung stellen, der Handel, indem er dabei hilft, diese Information an seine Kunden weiterzugeben, und die Verbraucher, indem sie die Produkte verantwortlich verwenden", so Zänker.
A.I.S.E. hat bei verschiedenen Nachhaltigkeitsinitiativen die Federführung übernommen. Im Januar 2010 hat A.I.S.E das 100. Unternehmen, das die "Charta für Nachhaltiges Reinigen" (Charter for Sustainable Cleaning) unterzeichnet hat und somit das entsprechende Logo auf seine Produkte setzen darf, gewinnen können. Damit stehen dem Verband zufolge rund 80 Prozent der Herstellungsmenge von Seifen, Wasch- und Reinigungsmitteln unter der Charta der Nachhaltigkeit. Die Mitglieder verpflichten sich zu einer jährlichen Überprüfung von verschiedenen Daten. Die Unterzeichner der Charta konnten Zänker zufolge in den Jahren 2006 bis 2008 den Energieverbrauch und den Co2-Ausstoß um jeweils vier Prozent senken und das Verpackungsmaterial um neun Prozent reduzieren.
Nachhaltigkeitsoffensive für flüssige Waschmittel Weitere Erfolge der Nachhaltigkeitsinitiativen verzeichnet A.I.S.E vor allem bei flüssigen Waschmitteln: Ab Juli 2010 sollen Produkte erhältlich sein, die noch konzentrierter sind, weniger Verpackungsmaterial benötigen und entsprechende Dosierungshinweise auf den Etiketten enthalten, um den Verbraucher über die richtige Dosierung zu informieren.
Als Beispiel für erfolgreiche Aufklärungskampagnen stellte Zänker das 2008 gegründete Projekt www.cleanright.eu vor. Diese Website soll im Sinne seiner Urheber, der A.I.S.E und des Verbands der Europäischen Chemieindustrie CEFIC, "wichtigste Informationsquelle für europäische Verbraucher für Reinigungs- und Pflegemittel im privaten Haushalt zu werden." Die Website ist auf gutem Weg, das Ziel zu erreichen. Mittlerweile ist sie in acht Sprachversionen abrufbar und damit für 345 Millionen Verbraucher in ihrer Muttersprache zu verstehen. 2010 sollen ungarische, schwedische, slowenische und portugiesische Sprachversionen folgen.
Ausgezeichnet - Nationale und das Europäische Umweltzeichen Wichtiges Orientierungsmerkmal für Verbraucher, die umweltfreundliche Wasch- und Reinigungsmittel einkaufen möchten, ist das Umweltzeichen. Auf dem Fresenius-Kongress berichteten Experten aus Dänemark und Österreich über die Akzeptanz und den Bekanntheitsgrad des EU Ecolabels im Vergleich zu nationalen Umweltzeichen. Wie Arno Dermutz vom Verein für Konsumenteninformation (Wien) berichtete, können Hersteller und Händler in Österreich vom Dualismus der Ökolabels profitieren. In Österreich können sie mit einem einzigen Antrag und einer einmaligen Lizenzgebühr beide Zeichen für das Marketing nutzen: für den Export das EU Ecolabel und für den heimischen Markt das österreichische Umweltzeichen, das 2010 20jähriges Bestehen feiert und einen Bekanntheitsgrad von 40 Prozent der Bevölkerung besitzt.
Die Tagungsunterlagen mit den Skripten aller Vorträge der Fresenius Konferenz können zum Preis von 295,- EUR zzgl. MwSt. bezogen werden. Bei Interesse klicken Sie bitte hier.
Quelle: Pressemeldung Die Akademie Fresenius GmbH
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